WISSENSCHAFT IM TREND: Wieso haben wir unsere besten Ideen oft unter der Dusche?

Eine neue Studie zeigt, dass Duschen die Kreativität beflügelt.

In diesem Reich der dampfenden Hitze kommen oft geniale Einfälle zustande. Das ist allgemein bekannt. Auf Reddit gibt es sogar ein ganzes Online-Forum, in dem die Leute ihre Geistesblitze posten.

Doch warum unsere besten Ideen ausgerechnet dort und genau dann zustande kommen, ist nicht bekannt. Ein Forschungsteam von der Universität Virginia in den USA hat möglicherweise endlich eine Antwort darauf gefunden.Laut einer Studie, die in der Fachzeitschrift „Psychology of Aesthetics, Creativity, and the Arts“ veröffentlicht wurde, kann ein wandernder Geist leichter zu einer kreativen Lösung gelangen, wenn wir mit einer sogenannten geistlosen Aufgabe beschäftigt sind.

Mit anderen Worten, wir sollten nicht endlos über einem Problem brüten, bis es gelöst ist, sondern lieber eine Pause einlegen und einer Beschäftigung nachgehen, die uns – wie eben das Duschen – nur wenig abfordert. In diesem Umfeld können die Gedanken frei schweifen. Heureka! Gut möglich, dass Ihnen dabei etwas Schlaues eingefallen ist.

Der Mitautor der Studie, Dr. Zac Irving, Assistenzprofessor für Philosophie an der Universität Virginia, erklärte in einer Pressemitteilung der Universität: „Mal angenommen, man kommt bei einem Problem nicht weiter. Was macht man dann? Wahrscheinlich starrt man nicht einfach öde an die Wand. Man wird viel eher versuchen, sich irgendwie zu beschäftigen, zum Beispiel durch einen Spaziergang, Gartenarbeit oder eine Dusche. Das sind alles Aktivitäten, die eher mittlere Aufmerksamkeit erfordern.“

Die Forschenden führten mit Studierenden der Universität verschiedene Experimente durch. Sie hatten 90 Sekunden Zeit, um sich entweder für einen Ziegelstein oder eine Büroklammer möglichst viele alternative Verwendungszwecke auszudenken. Die Teilnehmenden wurden außerdem in zwei Gruppen eingeteilt, die sich zwei verschiedene dreiminütige Videos ansehen sollten. Ein Video zeigte zwei Männer beim Wäschefalten, das andere eine berühmte Szene aus dem US-amerikanischen Filmhit „Harry und Sally“, einer romantischen Komödie.Nachdem sie sich die Videos angesehen hatten, berichteten die Gruppen, wie einnehmend sie waren. Dabei machten sie Angaben dazu, wie sehr ihre Gedanken beim Ansehen der Videos von einem Thema zum nächsten schweiften. Das Forschungsteam bewertete die Kreativität ihrer Antworten danach, wie viele Ideen dabei herauskamen und wie originell sie waren.

Die Ergebnisse zeigten, dass die Gedanken schweifen lassen kreativere Ideen hervorbrachte. Das galt jedoch nur, wenn die Teilnehmenden sich das interessante Video ansahen und nicht das langweilige.

„[W]ir stellen fest, dass Gedankenschweifen zu kreativeren Ideen führt, das allerdings nur bei eher mäßige Aufmerksamkeit erfordernden Aktivitäten“, fassten die Autorinnen und Autoren im Fachartikel zusammen. „Langweilige Aktivitäten führen allgemein entweder zu mehr Ideen oder zu semantisch unterschiedlicheren Ideen, wobei diese Wirkungen nicht mit Gedankenschweifen in Zusammenhang standen. Langweilige Aktivitäten können also dadurch zu Ideen führen, dass sie Zeit für konzentriertes Problemlösen bieten, uns in Anspruch nehmende Aktivitäten hingegen dadurch, dass sie zu produktivem Gedankenschweifen anregen.“


veröffentlicht: 2022-10-15
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